1 REBSORTE

RÄUSCHLING

Ob der Räuschling seinen lautmalerischen Namen seinem robusten Laubwerk zu verdanken hat, durch das der Wind kräftig rauscht, oder ob «Räuschling» abgeleitet ist vom mittelhochdeutschen «rûsch» für verschiedene Pflanzen: Herkunft und Name der seltenen Rebsorte sind ungeklärt. Vermutlich handelt es sich beim Räuschling um einen Traminer-Klon, da sein Blattwerk und die Eigenschaften der Walliser Traubensorte Haida ähnlich sind.

Seit jeher gilt der Räuschling als die Rebe vom Zürichsee. Als Seewein wurde er zum Teil der kulturellen Identität des Zürichseegebiets. Einst wegen seiner grossen Beständigkeit und hohen Erträge geschätzt, erlebt der Räuschling nicht zuletzt dank der Initiative sowie Treue einiger Zürichsee-Winzer zu ihrer Rebe eine regelrechte Renaissance. In der Schweiz werden heute insgesamt über 22 Hektaren Räuschling angebaut, davon rund 15 Hektaren rund um den Zürichsee.

Was kaum erstaunt: passt doch der Räuschling dank seiner zarten mineralischen Säure und frischen Zitrusaromatik wie kaum ein anderer Wein zu Fischen aus dem See.

Es dürfte wohl keine Übertreibung sein, zu behaupten, dass es sich bei den Reben, welche zum Beispiel Friedrich Gottlieb Klopstock 1750 in seiner Ode «Der Zürchersee» mit: «Schon war manches Gebirge / Voll von Reben vorbeigeflohn», oder Johann Wolfgang von Goethe 1775 in seinem Gedicht «Auf dem See» mit: «Und im See bespiegelt / Sich die reifende Frucht» verewigt hatte, höchstwahrscheinlich um Räuschling handelt.